Sonntag, 16. November 2014

kleines Dorf, große Fiestas


Mein letzter Blog-Eintrag ist zwar noch nicht allzu lange her, doch in den wenigen Wochen ist schon wieder einiges passiert, über das ich gerne berichten möchte.

Am 30. Oktober wurde der 433 „Aniversario de Sopachuy“ gefeiert. Am Abend zuvor fand ein Desfile, also ein Art Umzug mit Fackeln und Laternen statt. Dafür hat sich das komplette Dorf versammelt und ist dann gemeinsam durch die Straßen Sopachuys gelaufen, natürlich jeweils in die einzelnen „Einrichtungen“ unterteilt. Die Alcaldía (das Rathaus) hat die ganze Gruppe angeführt, gefolgt sind das komplette Krankenhauspersonal inklusive mir, die ganzen Schulen und zu Schluss der Kindergarten. Das Ziel war die Plaza, bei der sich das Desfile aufgelöst und die Fiesta angefangen hat.
Am nächsten Morgen fand das Gleiche bloß im black and white Dresscode statt. Zuvor aber durfte man sich noch ca. 2h Reden von allen wichtigen Leuten aus Sopachuy und des Gobierno de Chuquisaca anhören. Danach folgten wieder mehrere Runden durch das Dorf mit anschließendem Fotoshooting. Beendet wurde dieser Tag durch eine Parade des bolivianischen Militärs.
 
Das Desfile am Mittwochabend

Marschieren vor dem Gobierno de Chuquisaca und dem Bürgermeister

Mit ein paar Arbeitskollegen 


Das Wochenende über den 31.10 - 02.11.14 war Todos Santos. Todos Santos ist auf keinen Fall mit Allerheiligen in Deutschland zu vergleichen, sondern eher mit dem „Día de los Muertos“ aus México. Denn dieser Tag ist kein Tag der Trauer, sondern eher ein Tag der Freude und vor allem des Feierns. Die Menschen feiern, dass die Toten unter ihnen sind und ihre Geister mit uns auf der Erde weiterleben. Deshalb wurde am Freitag großzügig ein Tisch mit allerlei Essen, Gebäck und Getränken angerichtet. Jedoch war dieser nicht für uns bestimmt, sondern für die Geister der Verstorbenen Angehörigen.
Allerlei Köstlichkeiten für die Verstorbenen

Am Samstag wurde gegen Abend eine Messe auf dem Friedhof gehalten, bei der mindestens 3 Stunden lediglich Namen von Verstorbenen vorgelesen wurden. Zuvor wurden alle Gräber schön hergerichtet und mit Kerzen und allerlei persönlichen Dingen geschmückt. Denn während der Messe konnte man zu den Gräbern gehen, um für die Verstorbenen zu beten- jeweils 3 Rosenkränze und 1 Vater-Unser. Als Dankeschön, dass man für die Seele des Verstorbenen gebetet hat, haben die Angehörigen einem ein kleines Geschenk gegeben, meist typisches Todos Santos Gebäck. Besonders hat mich die Geschichte eines kleinen Mädchens berührt. Sie kam auf dem Friedhof auf mich zu und meinte ich solle ihr folgen, um zu ihrem Bruder zu gehen. Dieser ist kurz nach seiner Geburt gestorben, da er ein Herzfehler hatte und sich die Familie eine Operation von 1.000 US Dollar nicht leisten konnte. Also setzte ich mich zusammen mit ihr um das Grab und wusste nicht so ganz wie ich mich verhalten sollte. Aus Deutschland bin ich gewohnt, dass es sobald um den Tod eines Angehörigen geht trübe Stimmung und Trauer herrscht. Hier aber saßen alle fröhlich um das Grab herum und unterhielten sich fleißig. Auch wenn es sehr ungewohnt war, war es auf jeden Fall eine schönere Art und Weise mit dem Tod umzugehen. Der Abend wurde dann wie fast immer mit viel Chicha beendet.

Die geschmückten Gräber


Am Sonntag sind wir dann extra früh aufgestanden, um eine weitere Tradition an Todos Santos kennen zu lernen. Der Tag begann zuerst mit einer Messe - dieses Mal auch in einer Kirche und nicht auf dem Friedhof – bei der erneut alle Namen der Verstorbenen vorgelesen wurden und mit einem Gottesdienst beendet wurde. Danach standen einem alle Türen von Familien offen, bei denen seit vergangenem Todos Santos Angehörige gestorben sind. Zuerst war es komisch einfach in fremde Häuser hinein zu gehen, aber mit der Zeit gewöhnte man sich daran, da die Menschen es eher als Geschenk betrachteten, wenn man zu ihnen kam und für den Verstorbenen gebetet hat. Denn je mehr Menschen für diesen beten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen Frieden im Jenseits findet. So zumindest die Erklärung unseres Gastvaters.
Im Laufe des Tages stellte sich diese Tradition jedoch eher als eine große Sauftour heraus. Denn als Dank folgten wie am Vortag nun nicht mehr nur Gebäck, sondern auch große Mengen an Alkohol. Im ersten Haus freuten wir uns noch über eine Suppe, eine komplette, warme Hauptspeise, ein Glas Chicha und Leche de Tigre. Von 9-16.00 Uhr unterwegs und 7 Häuser später könnt ihr euch ja vorstellen wie wir uns gefühlt haben…ich habe aber definitiv noch nie an einem Tag so viel auf einmal gegessen und getrunken. Der einzige Vorteil war, dass der Kater schon am gleichen Abend einsetzte und somit am nächsten Tag schon wieder vorüber war. Montag war zum Glück Feiertag und das war auch mehr als nötig, um sich von dem Wochenende zu erholen.


Die restliche Woche ging dann wieder schnell rum, da wir Donnerstagabend nach Monteagudo aufgebrochen sind, um einen Geburtstag einer Mitfreiwilligen zu feiern. Doch schon allein die Fahrt dorthin stellte sich als kleine Herausforderung heraus, da wir nicht mehr allzu viel Geld übrig hatten und die Verbindungen nicht ganz eindeutig waren. Über einen Arbeitskollegen habe ich erfahren, dass es angeblich ein Flota von Tomina (das nächst größere Nachbardorf Sopachuys) nach Monteagudo so „um ca. halb 9 glaube ich“ geben soll. Da man nach 3 Monaten Aufenthalt in Bolivien definitiv gelernt hat, dass man sich nicht immer 100%ig auf solche Aussagen verlassen kann sind wir also auf gut Glück nach Tomina gefahren. Dort kam die Flota zwar erst 1 ½ h später, aber sie kam und somit sind wir immerhin auch in Monteagudo angekommen. Da die WG dort zwar eine eigene Wohnung besitzt, aber nicht allzu viel Platz hat, haben wir uns schon im Vorhinein dazu bereit erklärt auf dem Küchenboden zu schlafen. Dementsprechend war die Nacht etwas kurz, aber somit hatten wir immerhin viel Zeit um die Stadt zu erkunden. Und mit Stadt meine ich auch Stadt, da Monteagudo ungefähr wie Sucre bloß in etwas kleiner ist. Deshalb ging der Tag auch schnell rum und abends haben wir dann gemeinsam Maddy´s 19. Geburtstag gefeiert.
Am nächsten Tag waren wir die ganze Zeit auf dem „Día de la Tradición“. Es gab wie immer viel Essen, Trinken und Tanz und es glich ein wenig einem Rummelplatz. Da Monteagudo ziemlich weit weg von uns liegt mussten wir uns allerdings schon am Samstagabend wieder auf den Rückweg machen.
Und jaa…dieser Rückweg war eine ganz eigene Sache für sich…
Wir waren dann also mal wieder in unserem geliebten Tomina – dieses Mal um 12 Uhr nachts- und sind deshalb mit wenig Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit die Hauptstraße auf und ab gelaufen. Allerdings haben wir außer mehr oder weniger brauchbaren Tipps von Betrunkenen nicht wirklich mehr in Erfahrung bringen können. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen zum nächst größeren Dorf Tarabuquillo zu laufen, da wir nicht schon wieder so ewig Zeit in diesem Dorf verbringen wollten und die nächste Flota nach Hause erst um 13 Uhr kam. Zum Glück hat uns dann aber das herannahende Gewitter von dieser Schnapsidee abgehalten, denn wie wir später herausgefunden haben sind es ca. 20 km von Tomina nach Tarabuquillo. Das wäre definitiv eine lange Nachtwanderung geworden!
Mittlerweile halb 2 Uhr nachts haben wir uns dann aufgemacht ein Alojamiento zu suchen. Etwas vergebens, da wir nur noch 30 Bolivianos für drei Personen hatten und der Besitzer unsere Idee, dass wir nur im Foyer bleiben und kein Zimmer wollen, auch nicht die Beste fand. Also irrten wir weiter herum und wussten nicht genau was wir machen sollten. Zumal ein Haufen betrunkener Männer an der Plaza eine Fiesta feierten und uns drei Mädels das nicht ganz so geheuer war. Als sie anfingen uns nicht nur hinterher zu pfeifen, sondern auch hinterher zu laufen waren wir ganz schnell einig, irgendeinen Unterschlupf zu suchen. Das nächst Beste was wir gefunden haben war ein noch nicht fertig gebautes und leerstehendes Haus – zumindest glaubten wir das! Also warteten wir ab bis die Männer weg waren und legten uns dann ziemlich erschöpft auf den Boden. Und nein es hat nicht nur gereicht, dass es übertrieben kalt war, wir wurden auch noch von Moskitos zerstochen. Trotzdem glaubten wir uns nun ein bisschen sicherer und konnten sogar die Augen etwas zumachen.
Allerdings nicht lange, da kurze Zeit später ein Mann, Oberkörperfrei und in Flip-Flops in dem „Zimmer“ stand und uns mit seiner Taschenlampe anleuchtete. Wie kleine Kinder verdeckten wir unsere Gesichter gemäß dem Motto „wenn wir ihn nicht sehen, kann er uns auch nicht sehen“ :D Als er dann tatsächlich ohne etwas zu sagen wieder verschwand packten wir  alles zusammen und sind in Richtung Tarabuquillo losgelaufen.
Mittlerweile war es immerhin gegen 5 Uhr morgens und nicht mehr ganz so dunkel wie anfangs. Kurze Zeit später konnten wir sogar ein Auto anhalten (auf dem Rücksitz lag ein Gewehr), das uns immerhin etwas in die richtige Richtung mitnehmen konnte. Von diesem Punkt an hätten wir noch 15km nach Tarabuquillo zurücklegen müssen. Total fertig von den letzten, nicht ganz so komfortablen Nächten trotteten wir also den Weg entlang. Nachdem wir einige Autos angehalten haben, die gefühlt überallhin bloß nicht nach Sopachuy gefahren sind machten wir deprimiert Pause an einem Straßenrand. Das war das erste Mal, dass ich Bolivien für seine unendlichen Landschaften ohne jegliche Zivilisation verachtet habe. Zum Glück nicht allzu lange, da dann endlich ein Auto kam, das sogar bis nach Sopachuy durchgefahren ist und wir pünktlich zum Frühstück zu Hause waren. Wir waren so erledigt, dass wir den kompletten Tag durchgeschlafen haben und erst am nächsten Morgen wieder aufgestanden sind.
Im Nachhinein war es echt ein sehr lustiges Erlebnis, hätte allerdings auch anders ausgehen können!
 
Der wohl luxuriöseste Schlafplatz

Und das wars dann auch schon wieder von mir. Ich werde mich aber bald wieder melden, da nächste Woche die große Fiesta der Virgen Sopachuys ist und ich voraussichtlich mittanzen werde, das wird ein Spaß bei meinen Tanzkünsten :D

Montag, 27. Oktober 2014

La Vida Cotidiana

Mittlerweile herrscht hier in Sopachuy Alltag. Die Tage unter der Woche verlaufen meist gleich ab, da wir jeden Tag in die Arbeit müssen und zu anderen größeren Aktivitäten die Zeit dann meistens nicht reicht. Es hat sich nur insofern etwas geändert, dass ich nachmittags nur noch montags und mittwochs im Hospital arbeite und die restlichen Tage zusammen mit Miri Englisch Nachhilfe gebe. Das bringt ein bisschen mehr Abwechslung und gibt uns gleichzeitig die Möglichkeit, ein paar Anschlüsse im Dorf zu finden. Die Arbeit im Krankenhaus wird so langsam auch immer spannender. Ich darf mittlerweile vermehrt bei den Ärzten zuschauen und auch ab und zu in der Notaufnahme helfen. Trotzdem gibt es nach wie vor Tage, an denen ich nichts machen kann und neue Rekorde im Wattebällchen formen aufstelle.
Außerdem dürfen Miri und ich jetzt immer montags und freitags für die ganze Familie kochen, da wir etwas früher von der Arbeit heimkommen als die anderen. So kommen zumindest ab und zu – auch wenn das Essen von unserer Gastmutter der Hammer ist -etwas weniger  Kohlenhydrate und etwas mehr Gemüse auf die Teller, da wir dann auch bestimmen dürfen was es zu essen gibt. Dadurch und durch häufiges Joggen versuchen wir dem weiteren Zunehmen entgegen zu steuern. Das ist  hier allerdings gar nicht so einfach, da wir für den Geschmack vieler Bolivianer zu dünn sind und auch zu wenig essen.
D.h. im Allgemeinen, dass wir unter der Woche neben Arbeiten, Kochen und gelegentlichem Ausruhen zu nicht viel kommen, wir dafür aber immer versuchen die Wochenenden möglichst abwechslungsreich zu gestalten. 

Am Sonntag vor 3 Wochen  hatten wir zum Beispiel einen etwas spontanen Besuch von den Verantwortlichen unserer Organisationen. Nicht nur Don Arturo von „Hostelling International“, auch Norbert Wenzel von unserer deutschen Organisation „Volunta“ beehrten uns mit ihrer Anwesenheit. Außerdem hatten wir zuvor schon ausgemacht, dass uns Marie, Mara und Volkan aus Alcalá besuchen kommen, da sie schon länger mal sehen wollten wie wir hier so leben. Und wie es eben so häufig ist, fällt immer alles auf ein und denselben Tag. D.h. am Sonntag waren dann insgesamt 14 Leute da, für die natürlich auch gekocht werden musste. Deshalb standen Miri und ich schon ab 10 Uhr in der Küche und haben aufgrund fehlenden Zutaten eine etwas improvisierte, aber dennoch sehr leckere Lasagne gezaubert bekommen. Zwischendurch haben wir uns dann auch noch dazu entschieden Pizza zu machen, da wir befürchteten nicht alle satt zu bekommen und wir nicht ausreichend Zutaten für genügend Lasagne hatten. Denn es musste natürlich auch jeweils einen vegetarischen Teil und einen mit Fleisch geben. Dies alles schafften wir nur durch die tatkräftige Unterstützung durch Marie, Mara und Volkan und das 3-Gänge Menü stand dann tatsächlich rechtzeitig auf dem Tisch und schmeckte allen zum Glück super. Somit haben wir den kompletten Vormittag gekocht und gegen später noch mehr gegessen.
Nachmittags haben wir uns dann noch zusammen auf dem Weg zum Fluss gemacht und verbrachten dort den restlichen Tag. Auch wenn wir eigentlich nichts Außergewöhnliches gemacht haben, war es einer der schönsten Tage in Sopachuy und ich hatte mich das erste Mal durch und durch wohl gefühlt.
große Versammlung
das hammer Essen - bzw. die Reste davon

Das darauf folgende Wochenende sind wir nach Sucre gefahren, um mal wieder einen Geburtstag zu feiern.  Jedoch war dieses Wochenende ein denkbar schlechtes, um groß feiern zu gehen, da am Sonntag die Präsidentschaftswahl anstand und deshalb alles Clubs und Bars geschlossen waren. In Bolivien herrscht nämlich Wahlpflicht und deshalb waren alle Lokale, die normalerweise Alkohol ausschenken geschlossen. Dadurch soll betrunkenen Bolivianern, die dann womöglich nicht wählen gehen können vorgebeugt werden.
Angetreten sind insgesamt 4 Kandidaten, von denen der bisherige Präsident Evo Morales (MAS) und Samuel (UID – Unidad Demócrata) die beiden Favoriten waren. Evo ist der erste Präsident indigener Abstammung und deshalb vor allem bei der indigenen Bevölkerung sehr beliebt. Diese macht nach wie vor den Großteil aller BolivianerInnen aus und deshalb galt er auch von Anfang an als Favorit. Insgesamt haben wir aber – bis auf seltene Wahlkampfveranstaltungen und Werbungen der Parteien – nicht wirklich viel von den Wahlen mitbekommen und auch erst einige Tage danach erfahren, dass Evo Morales erneut zum Präsident Boliviens gewählt worden ist.
Werbung der MAS auf Häuserwänden

Mittlerweile geht es auch immer mehr auf den Hochsommer und dadurch auch auf die Regenzeit zu. Dabei wird die 30 Grad Grenze fast jeden Tag überschritten und es zieht einen dementsprechend oft an den Río. Dies war zum Beispiel das letzte Wochenende der Fall. Zuvor hatten wir aber noch eine große Putzaktion gestartet. Wir haben die komplette Wäsche gewaschen, unsere Zimmer und das Bad geputzt und dabei gefühlt dem Dreck von Jahren zuvor auf die Schliche gekommen und erfolgreich entfernt. Und zack…3 Tage später später sieht es genauso aus wie davor. Putzen ist ja eine soo motivierende Arbeit.
Trotzdem haben wir es an diesem Wochenende auch tatsächlich einmal geschafft uns mit ein paar Colegio-Schülern zu verabreden und mit ihnen zum Río zu gehen. Dies war anfänglich eine etwas komische Situation, da die Bolivianer zwar im Allgemeinen  bei ersten Begegnungen unglaublich nett und interessiert sind, geht es aber um mehr als nur netten Smalltalk, sind sie häufig verschlossen und schwer zu knacken. Also wie immer: Geduld haben, auf die Leute zugehen und dem Ganzen Zeit geben.

Und nun noch eine ganz aktuelle Information: seit Freitag ist nämlich Marie aus Alcalá bei uns und wird hier in Sopachuy ihren restlichen Freiwilligendienst absolvieren. Ihr hatte es in Alcalá nicht so sehr gefallen und deshalb hat sie sich dazu entschieden, das Dorf und das Projekt zu wechseln. Nun sind wir 4 Mädels..mal schauen ob das gut geht, aber wir sind alle ganz zuversichtlich und werden sicher viel Spaß haben.

Das war´s dann auch schon wieder von mir! Aber ich werde mich sicher ganz bald wieder melden, da hier in nächster Zeit einiges passieren wird und viel Programm ansteht. Diese Woche ist zum Beispiel todos Santos, der Aniversario von Sopachuy und dann steht im November noch die große Fiesta der Virgen de Remedios an. Bis dahin und liebe Grüße aus Bolivien

Samstag, 4. Oktober 2014

Un mes en Sopachuy

Ich kann es kaum glauben, aber ich bin jetzt schon 2 Monate in Bolivien und davon etwas mehr als 4 Wochen in Sopachuy. Wenn man zurück schaut ging die Zeit einerseits sehr schnell vorbei, denn wir haben sehr viel unternommen und dementsprechend viele neue interessante Menschen und Dinge kennengelernt. Aber andererseits gab es mittlerweile auch schon die ersten Tiefschläge, in denen es ziemlich schleppend voran ging. Aber mehr dazu jetzt:

Vor 3 Wochen waren wir zur „Fiesta de la Virgen de Guadalupe“ das Wochenende über in Sucre. Die Jungfrau Guadalupe ist die Schutzpatronin Sucres und zu ihrer Ehren wurde von Freitag bis Sonntag eine Parade veranstaltet. Unglaublich viele Tanzgruppen tanzten mehrere Stunden durch die ganze Stadt. Von Caporales über Morenada zu Tinku waren alle traditionellen Tänze dabei und sah die schönsten und auch verrücktesten Kostüme. Es war total packend, denn nicht nur die Parade war schön anzuschauen, auch die ganzen Geschäfte und das Leben der Menschen wurde an diesem Wochenende auf die Straßen Sucres verlagert. Somit herrschte in der kompletten Stadt eine tolle Stimmung und es war ununterbrochen etwas los. Neben dem Feiern war es auch schön die anderen  Freiwilligen endlich mal wieder zu sehen und deren Geschichten über ihre Erfahrungen in den Dörfern zu  hören. Zum Glück geht es allen ganz gut und sie sind soweit zufrieden. Dementsprechend ging das Wochenende leider viel zu schnell rum und es war schon wieder Montag und Zeit zu arbeiten. 
Caporales
Tinku 


Morenada

Von meiner Arbeit gibt es eigentlich nicht allzu viel Neues zu berichten. Ich arbeite nach wie vor in der Patientenaufnahme und sobald es keine Patienten mehr gibt, gibt es schlichtweg nichts zu tun. D.h. ich verbringe Großteil meiner Zeit mit Warten. Deshalb kommt etwas Abwechslung wie z.B. eine Fahrt aufs Campo sehr gelegen. Vom 8. bis zum 21. in jedem Monat fährt die Ambulancia täglich zu einer Streusiedlung Sopachuys, um die dort lebenden Menschen medizinisch zu versorgen. Und an einem von diesen Tagen sind Miri und ich mitgefahren. Den Tag vorherhieß es, dass wir um 8 Uhr morgens los fahren werden. Deshalb standen wir eine halbe Stunde früher als üblich auf und waren mit deutscher Pünktlichkeit noch im Blut um 7.50 Uhr im Krankenhaus…leider standen wir dort alleine. Nachdem dann die ersten Ärzte kamen und wir erfahren haben, dass es wohl erst etwas später losgehen wird stand mal wieder Warten auf dem Programm. Zwischen durch hieß es dann auch, dass wir gar nicht mehr fahren werden und nach viel hin und her saßen wir dann schließlich  um 10 Uhr in der Ambulancia. Natürlich erst, nachdem noch ein Halt an einer Tienda eingelegt wurde, um ein paar Salteñas und Cola zu kaufen. Nach einer 20minütigen Fahrt durch das Gelände Boliviens kamen wir auch schon in San Antonio an. Dort leben nur zwei Familien, dementsprechend gab es auch kaum Patienten. Deshalb und auch, weil auf den Außendörfern ausschließlich Quechua gesprochen wird, konnten wir nur wenig machen und es ging nach einem gemeinsamen Mittagessen wieder nach Hause. Achja eine Fahrt mit 80km/h über Kopfsteinpflaster ist übrigens sehr amüsant.

Ein Klassenzimmer als Behandlungsraum

Das letzte Wochenende war dann genauso ereignisreich wie das davor. Am Samstag sind wir per Pferd zu den Wasserfällen außerhalb Sopachuys geritten. Das ist eine Gesamtstrecke von 24km und wir haben für den Hin- und Rückweg jeweils 3 ½ h gebraucht. Schon allein der Weg dorthin ist atemberaubend. Er schlängelt sich durch eine gewaltige Kette von Bergen immer weiter flussaufwärts. Die letzten 15min mussten wir dann zu Fuß zurück legen und etwas klettern. Je weiter man geklettert ist, desto größer und gewaltiger wurden die Wasserfälle, bis man schlussendlich zum letzten und größten Wasserfall mit einer Höhe von 80m gelangte. Auch die Umgebung verwandelte sich immer mehr in einen tropischen Regenwald und man befand sich in unberührter Natur, weit weg von jeglicher Zivilisation. Aufgrund des schlechten Wetters konnten wir leider nicht schwimmen und mussten nach einer zu kurzen Pause auch schon wieder zurück. Es war ein wunderschöner Tag, aber ich glaub ich hatte noch nie solche Schmerzen im Po, da die Montura der Pferde nicht allzu komfortabel waren.
Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde

auch der Fluss war nicht sicher vor uns

Der Weg durch die Gebirgsketten

der kleinste Wasserfall
der letzte und größte Wasserfall

Wegen des „Día del Médico“ sind Miri und ich am Sonntag mit dem kompletten Krankenhaupersonal zu einem Sportwettkampf nach Tomina, einer Nachbarstadt Sopachuys gefahren. Die Abreise stellte sich erneut als eine kleine Herausforderung heraus. Es musste vorher noch eingekauft werden und Miri und ich mussten nochmal nach Hause, da uns niemand gesagt hat, dass wir Teller und Besteck benötigen. Mit einer 1 ½ stündigen Verspätung ging es dann auch ging es dann auch los, bis wir nach 5 Minuten wieder anhielten. Dann verbrachten wir weitere 40min  wartend an einem Straßenrand, das wir bis heute noch nicht verstehen weshalb. Eine Stunde später sind wir dann in Tomina angekommen, wurden vom dortigen Krankenhauspersonal begrüßt und zum Frühstück eingeladen. Danach ging es in eine Messe, die sich selbstgestaltet und mit Kirchenbesuchern in Jogginganzügen etwas anders, dennoch interessant gestaltete. Zum Mittagessen sind wir zum Grillen an den Fluss gefahren. Das bolivianische Grillen charakterisiert sich vor allem durch Fleisch, einer riiiiiesen Menge an Fleisch! Dabei war es egal, ob Frau oder Mann, für jeden wurde ein halbes Kilo eingeplant. Dementsprechend gesättigt viel der Sport danach anfangs etwas schwer, machte aber unglaublich viel Spaß. Wir spielten bis zum frühen Abend Fußball, Basketball und Volleyball gegen die Mannschaften des Krankenhauses aus Tomina.  Danach stärkte man sich erneut mit einer ordentlichen Portion an Essen, um diese durch langes Tanzen danach wieder ab zu trainieren. Zwischendurch erfuhren wir, dass unser Bus ohne uns nach Hause gefahren ist. Also warteten wir einfach mal ab, da uns eh niemand genau sagen konnte wann und wie wir nach Hause kommen würden. Zwischendurch war geplant in die Flota um 23Uhr aus Sucre einzusteigen. Schade, dass eh nur Miri und ich danach schauten, die anderen munter weiter getanzt haben und die Flota sowieso nicht vorbei gekommen ist. Nach 17 Stunden auf den Beinen und etwas müde machten Miri und ich uns weiter daran herauszufinden wie wir nach Hause kommen. Etwas vergebens, da uns alle sagten, dass es keinen Weg mehr gäbe nach Hause zu kommen. Über die Unbekümmertheit alle waren wir etwas überrascht, warteten aber mal wieder ab, da uns eh nichts anderes übrig blieb und stellten uns schon auf eine lange Nacht in Tomina ein. Plötzlich sprang eine Person auf und alle rannten zur Hauptstraße. Ganz verstanden haben wir auch das wieder nicht, sind dann aber wenigstens um halb 2 mit einem Privatauto nach Hause gekommen. Trotz einigen Missverständnissen war es ein super Tag, da wir nicht nur viel Sport machen konnten, sondern auch das Krankenhauspersonal besser kennenlernen konnten und fast alle einfach total nett sind. 

Ja, unter dem Fleisch befinden sich sogar noch Beilagen

Das Tanzen danach

Die letzte Woche über war wegen des „Día del Estudiante“ und eines Sportwettkampfes ziemlich viel los in Sopachuy. Fast jeden Abend wurde tanzen geübt, um dies am Donnerstag vor allen Sopachuyesen vor zu führen. Nebenher traten die verschiedenen Schulen in Fußball und Basketball gegeneinander an. Dadurch ist viel Arbeit ausgefallen, die Arbeitstage gingen dementsprechend schnell rum und die Woche wurde durch ein super Wochenende in Sucre beendet!
Die Gruppe unserer Gastmutter

Alles in allem kann ich sagen, dass ´man hier auf jeden Fall lernt flexibel und spontan zu sein. Außerdem sollte einem Warten, ohne meistens den Grund zu kennen auch nicht allzu viel ausmachen. Es ist komisch, aber Abmachungen ändern sich fast immer und es bekommen irgendwie immer alle mit, außer wir Voluntarias. Von daher warten eigentlich immer Überraschungen auf einen. Ich bin mal gespannt, ob sich das noch ändern wird. Ob es z.B. an unserem noch nicht perfekten Spanisch liegt und wir deshalb nicht alles verstehen, oder ob das hier einfach so üblich ist. Dadurch wird es einem auf jeden Fall ein bisschen schwer gemacht sich ein zu gewöhnen, da man sich öfters ein bisschen dumm und fehl am Platz fühlt. Anfangs war es schwer sich daran zu gewöhnen, doch ich merke, dass man sich mit der Zeit immer weniger darüber aufregt und es nicht mehr so an sich ran lässt. Das ist wohl einfach auch ein Teil der Mentalität hier im Land, das alles etwas gelassener vor sich geht.
Das ist eben genau etwas, mit dem ich in letzter Zeit öfters konfrontiert wurde und noch lernen muss,  damit klar zu kommen. Ich merke aber auch, dass man sich schneller an Dinge gewöhnt, als man denkt. Eine warme Dusche, Waschmaschine und Internet sind eben doch nicht so lebensnotwendig wie ursprünglich mal angenommen. Auch wenn es manchmal ein bisschen schwierig ist, versuche ich positiv zu denken und an den Herausforderungen zu wachsen. Genau deshalb freue ich mich trotz allem auf das weitere Jahr und welche Entdeckungen bzw. Erfahrungen ich noch machen darf!


Samstag, 6. September 2014

Sopachuy - die Insel des Teufels (Quechua)

Ja es ist soweit, ich gebe endlich mal wieder ein Lebenszeichen von mir!
Nach einer fünfstündigen Autofahrt von Sucre nach Sopachuy sind wir überraschend pünktlich und gut in unserem Dorf angekommen. Doch das erste Hindernis wartete nicht lange auf sich. Von unserer Gastfamilie konnte uns niemand abholen und so bekamen wir von Arturo (Verantwortlicher von HIB) lediglich die Namen unserer Gasteltern in die Hände gedrückt.
Sopachuy ist ein kleines Dorf mit nur 2000 Einwohnern. Doch hat man absolut keine Ahnung in welche Richtung man laufen muss und aus unerklärlichen Gründen keiner der Einwohner die Namen unserer Gasteltern Mariela und Hugo kannte, kann so ein kleines Dorf doch sehr schnell, sehr groß werden. Also irrten wir eine Weile an der Plaza herum, waren für einige Minuten die Hauptattraktion des Dorfes und wurden schließlich von Angél, unserer jüngeren Gastschwester gefunden und zum Hostel geführt.
Und hier sind wir nun. Ich teile mir mit Eri ein Zimmer und Miri hat ein Einzelzimmer. Das Hostel an sich ist eigentlich relativ groß. Es bietet Platz für die fünfköpfige Familie, uns 3 Voluntarias, einige Zimmer für Gäste und natürlich für die 4 Katzen, 2 Hunde, den Papagei und die Schildkröte. Das heißt es ist eigentlich immer etwas los!

Der Innenhof des Hostels

Unser Doppelzimmer

Ich kann schon jetzt sagen, dass wir echte Glückspilze sind. Sopachuy hat nicht nur landschaftlich unglaublich viel zu bieten – 2 Flüsse, viele Berge zum Wandern und Felsen zum Klettern – auch die Menschen, besonders unsere Gastfamilie sind total nett, offen und herzlich! Häufig sitzen wir nach dem Essen noch zusammen, spielen etwas oder reden einfach nur. Dementsprechend fühle ich mich hier total wohl und freu mich auf das Jahr!

Die Berge um Sopachuy

El Río

Neben der eigenständigen Dorferkundung wurden wir an unserem ersten ganzen Tag hier in Sopachuy (Freitag, 29. August ´14) auch schon in der Grundschule vorgestellt.
Zuerst begrüßten wir alle Lehrer und den Direktor und wurden dann von ihm höchstpersönlich allen Schülern auf dem Schulhof vorgestellt. Dies glich ein wenig einer Militär Parade, da alle Kinder in Reihe aufgestellt standen und uns im Chor begrüßten. Miri meinte dann aber, dass das völlig normal sei und es eine Art morgendliches Ritual ist.
Montags wird in den Schulen dann immer zusätzlich die Flagge gehisst und die Nationalhymne gesungen.

Von Samstag auf Sonntag haben wir ein bisschen in meinen Geburtstag rein gefeiert. Das ging allerdings nicht allzu lange, da wir am nächsten Morgen um 7.30 Uhr frische Milch trinken sind.
Man nehme ein paar Gläser plus Alkohol mit und gehe zum nächstgelegenen Bauernhof. Die Kuh wird angebunden und von Hand direkt in ein Glas gemolken. Dazu füllt man ein wenig SIngani oder Café al Conac und schwupp di wupp hat man wahnsinnig leckere Milch zum trinken, die morgens um acht zusammen mit Alkohol doch auch ordentlich reinhauen kann.
Den restlichen Tag ging es dann etwas ruhiger zu. Miri und ich waren spazieren und am Mittag kamen einige Freunde der Familie und es gab total leckeres Essen.
Abends saßen wir dann noch zusammen, haben ein Lagerfeuer gemacht und Stockbrot gegessen.
Alle haben sich unglaublich viel Mühe gegeben, mir diesen Tag so schön wie möglich zu gestalten. An dieser Stelle auch noch einmal herzlichen Dank für die ganzen Glückwünsche!
Dementsprechend war es zwar ein anderer, aber trotzdem sehr schöner 19. Geburtstag.

Leckere frische Milch

Der etwas improvisierte, aber super leckere Geburtstagskuchen

Und dann war es soweit. Der erste Tag im Projekt! 6.45 Uhr klingelte der Wecker und wenig später stand ich auch schon im Eingang des Hospitals „Virgen de Remedios“.
Ich wurde zunächst einmal herum geführt, um das Krankenhaus kennen zu lernen. Dabei bekam ich alle Stationen zu Gesicht und wurde auch gleich mit zur Visite genommen (es gibt immerhin ganze 2 stationäre Patienten). Wirklich viel verstanden habe ich nicht, denn spanische Doktorensprache ist muy complicado! Trotzdem war die Visite sehr spannend, da ich die Möglichkeit bekam alle Ärzte auf einmal kennen zu lernen.
Den restlichen Tag habe ich dann den KrankenpflegerInnen in der Patientenaufnahme geholfen. D.h. ich muss die Patienten wiegen, die Körpergröße messen und die Vitalfunktionen überprüfen. Also Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und Temperatur messen.
Es war ein sehr spannender Tag und trotz guten Arbeitszeiten (1. Schicht: 8.30-12.00 Uhr; 
2. Schicht: 15.00-18.00 Uhr) extrem anstrengend. Nicht nur die Sprache, auch der medizinische Bereich an sich ist relativ neu für mich und so muss man sehr, sehr viele Eindrücke auf einmal verarbeiten. Hinzu kam, dass wir am gleichen Abend auch noch vom Bürgermeister eingeladen wurden, um uns hier in Sopachuy offiziell willkommen zu heißen. Danach sind wir todmüde einfach nur noch ins Bett gefallen.
Der zweite Tag war dann nicht mehr ganz so spannend. Die Aufnahme der Patienten hat man relativ schnell raus und wenn es kaum Patienten gibt, hat man nicht wirklich viel zu tun. Deshalb bin ich etwas deprimiert nach Hause gelaufen, wurde allerdings gleich wieder überrascht.
An der Türschwelle eines Hauses stand eine Frau, die ich von dem vorigen Tag aus dem Krankenhaus kannte. Wie es hier so üblich ist grüßte ich sie freundlich und sie kam mit den Worten „hola doctora gringita“ auf mich zu, schnappte meinen Arm und führte mich in ihr Haus. Ich schaute ein wenig verdutzt und sie meinte nur, ich solle mich hinsetzen. Deshalb dachte ich, dass ich wahrscheinlich auf irgendetwas eingeladen werde. Aber schade war´s…ihr Mann kam mit einigen Medikamenten, Spritzen und einem Skalpell auf mich zu und wollte, dass ich irgendetwas an seiner Hüfte operiere. In dem Moment dachte ich einfach nur oh mein Gott wie komme ich aus solch einer Situation wieder raus?! Ich erklärte ihnen, dass ich nur eine Voluntaria und keine ausgebildete Ärztin bin, doch diese Antwort gefiel ihnen nicht wirklich. Der Mann packte weiter munter seine Utensilien aus bis ich aufgestanden bin und einfach nur noch die ganze Zeit „no, no puedo hacerlo“ gesagt habe und schlussendlich einfach gegangen bin. Darauf kam dann nur noch die Antwort, ich solle es doch morgen bitte noch einmal versuchen.
Das war eine krasse Erfahrung und es ist schon heftig, dass man hier mit weißer Haut und einem Arztkittel sofort als Arzt angesehen ist und die Menschen denken, man könnte so etwas.
Die restlichen Arbeitstage der Woche liefen dann alle relativ gleich ab: wenig Patienten, kaum etwas zu tun. Ich bin mal gespannt wie sich das noch alles so entwickeln wird und hoffe, dass ich in Zukunft mehr zu tun habe bzw. auch noch andere Aufgaben erledigen darf.

Hospital "Virgen de Remedios"

Der Innenhof des Krankenhauses

Ansonsten kann man schon fast sagen, dass hier der Alltag eingekehrt ist. Neben dem Arbeiten und dem gemeinsamen Essen stehen häufig ein paar Erledigungen an. Die Wäsche – die sich irgendwie immer sehr schnell ansammelt und sich leider nicht von selbst wäscht – muss mit kaltem Wasser und per Hand gewaschen werden, Geschirr für 8 Personen muss gespült werden und das Zimmer muss häufig aufgeräumt werden. Sonst spielen wir mit den beiden jüngeren Kindern Angél und Lenin, gehen Wandern bzw. Joggen und schauen abends ab und zu einen Film.

Trotzdem kann ich bisher deutlich sagen: Es ist einfach teuflisch gut hier!




Donnerstag, 28. August 2014

Hasta Pronto Sucre

Heute ist es so weit: das Visum ist da und wir gehen endlich in unsere Dörfer! Bevor Eri, Miri und ich mit der Flota (Reisebus) morgen um 9 Uhr nach Sopachuy weg düsen, möchte ich euch noch ein bisschen über die letzte Woche hier in Sucre berichten. Die begann nicht unbedingt gut, da ich mir eine Grippe eingefangen hatte, endete jedoch umso großartiger! Zwischen dem typischen Stadtbummeln und zahlreichen Stromausfällen, waren sehr schöne Tage dabei!


In der letzten Woche waren vier Zahnärzte bzw. Zahnmedizin Studenten aus Freiburg hier in Sucre und halfen kostenlos Kindern mit Zahnproblemen. Und mit Problemen mein ich nicht einfach nur schiefe Zähne und Karies, sondern komplett kaputte, an einer anderen Stelle als eigentlich üblich wachsende und von Karies aufgefressene Zähne. Deshalb wurden viele Illusionen der BolivianerInnen, sie können mit einer Tapa (Füllung) wieder Heim kehren zerstört. Häufig half nur noch das Ziehen von Zähnen, da viele Einheimische noch nie eine Zahnbürste benutzt, geschweige denn gesehen haben. Miri und ich begleiteten sie einen Tag lang und haben die Rolle als Dolmetscher eingenommen. Das ging trotz mehr schlechtem als rechten Spanisch überraschend gut und es war ein unglaublich spannender und interessanter Tag. Es war für uns die erste richtige Aufgabe seit langem und wir haben uns endlich einmal richtig hiflreich gefühlt. Dementsprechend ging der Tag unglaublich schnell rum und das Warten auf das Visum wurde wieder durch einen Tag verkürzt.

Der etwas andere Zahnarztbesuch

Letzten Freitag verschönerten wir unseren Tag durch ein super leckeres Frühstück auf dem Aussichstpunkt Sucres, der Ricoletta. Das war das beste Frühstück seit langem und mit Sonnenschein und einem wunderschönen Ausblick auf die Hauptstadt Boliviens schmeckte es umso besser!

el desayuno americano

Aussicht auf der Ricoletta

Am Samstag haben wir einen Tagesausflug zu den siete Cascadas (die 7 Wasserfälle in der Nähe von Alegría) gemacht. Schon allein der Weg dorthin ist so faszinierend, da man sich immer mehr aus der Stadt Sucre heraus bewegt und immer weiter in unberührte Natur gelangt. Zuerst kommt man auf einem steinigen Weg an einem kleinen Dorf vorbei und kommt schließlich immer weiter in das Tal Richtung der Wasserfälle.

Der Weg zu Beginn

Eri und ich


Der Weg im Tal

Zu sehen sind weit und breit nur tiefgrüne Bäume, türkisenes Wasser und gewaltige Felsen, die erklimmt werden musstenn. Man konnte es kaum glauben, aber je weiter man gelaufen bzw. geklettert ist, desto schöner wurde es. Dieser Ausflug ist kaum in Worte zu fassen, doch es war einer der schönsten Tage in meinem Leben. Das Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit machten es zu einem perfekten Tag! Und ich denke die Bilder sprechen für sich.
 
der 3. Wasserfall
Photo by Felix Theobald
der 6. Wasserfall

Den letzten Abend, bevor wir uns alle in die Dörfer verteilt haben, haben wir in unserer Stammbar, der Bodega verbracht. Schon allein die Taxifahrt dorthin war ein Highlight für sich. Nicht allein die Tatsache, dass sich 12 Leute in ein normales fünfsitzer Auto gequetscht haben, sondern auch ein dezenter Hundehaufen im Kofferraum des Taxis führten zu zahlreichen Lachanfällen und zu einem schönen (vorerst) letzten gemeinsamen Abend.

Und jetzt ist es soweit, die letzten Stunden in Sucre brechen an und die Backpacker sind alle gepackt. Ich freue mich riesig Auf Sopachuy und kann nur sagen: Auf unsere WG, auf unsere Projekte und auf ein perfektes Jahr in Bolivien!






Montag, 18. August 2014

Bilder sagen mehr als tausend Worte

Da wir aufgrund des Visums schon einige Tage in Sucre sind und wohl auch noch eine Weile hier bleiben werden (wir warten auf eine Unterschrift aus La Paz) und es nicht allzu viel Neues zu berichten gibt, möchte ich euch durch einige Fotos ein genaueres Bild von Bolivien und meinem bisherigen Aufenthalt hier verschaffen.
Die Währung - Bolivianos
Das Hostel und der Innenhof von Hostelling International Bolivia
 
Mein Wohnbereich mit drei anderen Mädels

Um uns die Zeit zu vertreiben schlendern wir oft über den Mercado Central und dabei springt meistens ein Jugo raus. Man sucht sich beliebig viele Früchte aus, welche dann zusammen mit Milch oder Wasser zu einem leckeren Fruchtsaft gemixt werden. Und das kommt dabei raus:

Jugo-Variationen

Hannah und ich vor Jugo-Ständen

Das Feiern gehen darf natürlich auch nicht zu kurz kommen. Vor allem der Weg dorthin ist schon sehr unterhaltsam. Unser bisheriger Rekord: 12 Leute in ein Taxi!!

Feiern im Mythos mit der ganzen Gruppe

Gestern sind wir auf einen kleinen Berg hier in Sucre gelaufen. Man hat schnell gemerkt, dass man sich auf einer Höhe von fast 3000m befindet. Trotzdem hat es sich mehr als gelohnt, da die Aussicht auf Sucre atemberaubend war.
Der Berg

Ausblick auf Sucre

Typische Straßen

Oben angekommen!


Sonntag, 10. August 2014

hola Bolivia

Ich kann es zwar noch gar nicht so richtig glauben, aber das ist nun mein allererster Blog-Eintrag aus BOLIVIEN.
Wir sind zwar erst 4 Tage hier, doch in diesen wenigen Tagen ist schon einiges passiert.
Beginnen wir doch mal mit der Reise von Deutschland nach Bolivien. Am Frankfurter Flughafen haben wir erfahren, dass unser Flug entfällt  und wir somit auf eine andere Linie umsteigen mussten. Diese führte uns von Frankfurt nach Madrid, über Sao Paulo und Santiago de Chile. Nach einem Sprint durch den chilenischen Flughafen und ca. 30 Stunden Reise sind wir in Santa Cruz etwas gestresst und müde, schlussendlich aber trotzdem gut angekommen.
Santa Cruz ist eine 3 Millionen Stadt im Tiefland Boliviens, d.h. es herrschen trotz aktuellem Winter fast immer tropische Temperaturen. Dort haben wir eine Nacht verbracht, um dann am nächsten Tag 14 Stunden mit dem Bus nach Sucre zu fahren.
Und hier bin ich nun, in der Hauptstadt Boliviens. Hier befindet sich auch der Hauptsitz meiner Organisation Hostelling International Bolivia, das Hostel in dem wir noch einige Tage bleiben werden, um organisatorische Dinge zu erledigen, unter anderem das Visum. Dort haben wir auch die anderen Freiwilligen getroffen, die 2 Tage vor uns geflogen sind.

Sucre

Sucre ist eine wunderschöne Stadt, die Mehrheit aller Häußer sind weiß und an vielen Ecken entdeckt man Märkte mit unglaublich vielen Ständen aller Art. Von Essen (vor allem die Obststände sind sehr beeindruckend), über Kleidung bis zu Beauty Artikeln ist alles dabei. Und vor allem Preise, die in Deutschland gar nicht existieren, so günstig wie hier alles ist.

Obststand mercado central

Gestern und Heute sind wir hauptsächlich durch Sucre gelaufen, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Es sind immer unglaublich viele Menschen und Autos auf den Straßen, dementsprechend ist der Lautstärkepegel nicht gerade gering und es gibt immer was zu sehen. Außerdem ist es sehr hügelig, was die Stadterkundung bei einer Höhe von 2700m gefühlt in einen Halbmarathon verwandelt.
Trotzdem ist es eine sehr beeindruckende Stadt und ich freue mich auf die weitere Zeit.
Bis dann ihr Lieben